Freitag, 5. Dezember 2014

Fuchsis Adventskalender: Tag 5

Der heutige Kalender-Vorschlag ist irgendwie niedlich: "Bastele zur Vorbereitung auf den Nikolausabend allen deinen Schoko-Nikoläusen, die du verschenken willst, Rauschebärte aus Watte."
Nett.
Etwas bescheuert, aber nett.
Da ich aber aller Voraussicht nach aber gar keine Schoko-Nikoläuse verschenken werde, ist es schwer praktikabel.
Nichtsdestotrotz erinnert es mich an die auch etwas bescheuerte, ähm, nachgerade geniale Idee der Katholische Jungschar der Erzdiözese Wien, den Nikolaus dieses Jahr zur Frau oder wenigstens zum bartlosen Mann zu machen, weil das aufgrund besserer Sichtbarkeit des Lächelns angeblich freundlicher und auch zeitgemäßer wirkt.
*seufz*
Das ist wieder einer dieser Momente, wo ich unsere österreichischen Nachbarn nicht ganz verstehe.
Erst schicken sie Conchita Wurst (nein, niemand googelt jetzt "Conchita Wurst im Nikolauskostüm", haltet die Finger still, ich hab doch schon gesagt, der Nikolaus ist dieses Jahr bartlos!) zum Grand Prix und ganz Europa ist entzückt über ihr_sein Bärtchen und kaum ein halbes Jahr später ist der Bart auf einmal nicht mehr freundlich genug und der Nikolaus muss rasiert werden? Die Logik hinkt doch irgendwie gleich auf mehreren Beinen, oder?

Wobei andererseits... Die Frau Nikolaus-Sache passt ja doch irgendwie in's Konzept. Wenn ein schwuler Mann mit weiblichem Alter Ego inklusive entsprechendem Styling, aber mit Bart hip ist, kann der Nikolaus nicht einfach nur so bleiben, wie er immer war, das geht nicht.
Also, lasst mich kurz nachdenken, wir brauchen ja jetzt sogar ganz logischerweise eine bartlose Frau, die Nikolaus-Sache geht als Männlichkeits-Alter-Ego durch, wenn man ein bisschen großzügig bleibt (ideal wäre, wenn die Darstellerinnen das ganze Jahr über ein Nikolaus-Zweitleben führen könnten, aber das wird leider auf der Seite mit Tipps für Nikolodarsteller/innen nicht explizit erwähnt, eine verpasste Chance!), ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob sie divergierenderweise hetero oder doch lieber lesbisch sein sollte, aber auf jeden Fall fehlt noch ein klassisch weibliches Atribut, um die Parallele vollkommen stringent zu machen.
Was aber ist das weibliche Alternativ-Pendant zum Bart?
Brüste können's nicht sein, nicht nur hat das ja nicht jede Frau in entsprechender Plakativität (wohingegen die überwältigende Mehrheit von Männern sich plakative Bärte wachsen lassen könnte), das hat ja auch wieder diesen Sexismus-Nachgeschmack, nein, nein, das geht nicht.
Aber was dann?
Ich bin ehrlich ratlos und für Vorschläge offen, ich hasse es, wenn sich Gedankenspiele nicht sinnvoll auflösen lassen!

In jedem Fall also Frau Nikolaus. Und weil ich auch im Trend sein will, habe ich euch eine Frau Nikolaus gezeichnet. Natürlich ohne Bart, auch wenn das wieder der Adventskalender-Aufgabe widerspricht, ich stürze heute wirklich von einem Dilemma ins nächste.
Und wer sich jetzt fragt, warum Frau Nikolaus so unglücklich guckt: Ihr ist gerade der Haken an der Sache aufgegangen - zum schwere Säcke (voller Geschenke, nicht was ihr jetzt wieder denkt! Ferkel!) schleppen, sind Männer schlicht und einfach besser geeignet, da hilft alles freundliche Lächeln nicht.
In diesem Sinne: Bastelt Bärte oder auch nicht, der/die/das Nikolaus kommt früher als ihr denkt! ;)

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Fuchsis Adventskalender: Tag 4


Der heutige Tag war ... nicht so schön. Jedenfalls Einiges an ihm. Und das dann gleich in einem solchen Maße, dass ich nicht darüber reden / schreiben oder sonstwas will und mir sogar mein Adventskalender des Grauens als willkommene Ablenkung erschien.
Allerdings nicht für lange...
Denn heute lautet der spaßige Advents-Auftrag: "Weihnachtslieder (...) umdichten! Oder du frischst die Klassiker mit Melodien aus den Charts auf?"
*wimmer*
Wir lernen daraus also, dass dem Gehörsinn gestern nur eine kurze Pause gegönnt wurde, wahrscheinlich um ihn in Sicherheit zu wiegen. In Wahrheit geht der diabolische Plan weiter, Klingelgrauen und Witzlein waren nicht genug, ein dauerhafter Gehörschaden muss her und wie könnte man den besser erreichen als durch selbst.umgedichtete.Weihnachtslieder... (Wo das deutsche Gelegenheitsgedicht als solches ja weltweit mehr gefürchtet wird als der Blitzkrieg...)
Oder gleich eine Runde "Stille Nacht" zur Melodie von "Fear of the dark"...
"Oh Tannenbaum" in der Justin Bieber "Baby"-Version...
"Vom Himmel hoch da komm ich her" im "Shake it off"-Style...

Aaaaaargh!!!!!!!
Ich werde morgen berichten, wie oft ich meinen Kopf gegen die Wand schlagen musste, um allein die Vorstellung dieser Abscheulichkeiten wieder aus meinem Hirn zu bekommen!

Bis dahin und zur allgemeinen Beruhigung gibt es eine Runde Elf yourself exklusiv mit einigen meiner Comicfiguren. Und weil sie nicht nur eine modernisierte Form von Weihnachtslied verwenden, sondern auch noch ein Büro weihnachtlich umstylen, habe ich damit gleich für gestern und heute meine Schuldigkeit getan und kann beruhigt schlafen gehen.
Sobald ich die "Ihr Kinderlein kommet"-"Anaconda"-Chimäre aus meinen Gedanken vertrieben habe.
Ich werde mich vielleicht erschießen müssen...

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Fuchsis Adventskalender: Tag 3


Ein Blick auf meine Suchstatistik offenbarte mir heute etwas Erschreckendes: Jemand ist auf diesem Blog gelandet, weil er bei Google nach einer "einfachen Bleistiftzeichnung" gesucht hat.
Ich mein, hallo???
Einfache Bleistiftszeichnung?
Geht's noch?
Das ist KUNST hier!
Hohe, hohe Kunst! (Bitte stellt euch an dieser Stelle vor, wie ich prätentiös schniefe und mein Haar Dalí-esk zurückwerfe.)
Denn ganz im Ernst: Ich war heute mit Mutter Fuchsi auf dem Schwabinger Christkindlmarkt und dort u.a. auch im sogenannten Kunstzelt und einmal mehr musste ich staunen.
Ich mag Künstler. Ich mag Kunst. Auch die moderne, manchmal jedenfalls, aber was da wieder zum Teil präsentiert wurde...
Und zu welchen Preisen!!!
Ich will ja jetzt nicht den berühmten Dreijährigen bemühen, der das auch könnte, ich will keine Diskurse führen über "Man muss ja auch die Idee haben" und blablablubb (Originäres oder auch nur Originelles war dünn gesät, wenn wir schon über Ideen reden wollten), aber ich möchte doch zu Protokoll geben, dass ich es absurd finde, wenn ein technisch schwaches, auffallend unoriginells (ähnliches schon circa 100.000 Mal gesehen) und dann am besten auch noch mit dem tiefsinnigen Titel "Ohne Titel" versehenes (Mach-)Werk für mehrere 1.000 Euro über den Tisch gehen soll.
Aber meinetwegen - ich muss es ja nicht kaufen. Allerdings verlange ich dann auch, meine "einfachen Bleistiftzeichnungen" als hehre Kunst verstanden zu wissen und fühle mich sehr wohltätig, weil ich sie hier einfach so kostenlos unter die Menschen bringe. ;)

Womit wir mit einem eleganten Schlenker wieder bei den guten Taten in der Adventszeit und meinem wunderprächtigen "Treib deine Mitmenschen in's Irrenhaus"-Adventskalender wären.

Der Auftrag für heute lautet: "Schneide goldene Sterne aus und klebe sie an deinen Computer, die Tür, die Schreibtischlampe..." (Ich merke genau, wie wir uns dem schon gestern orakelten Großbrand langsam annähern. Goldene Papiersterne an der Schreibtischlampe, wie sinnvoll...) - das Ganze soll dann auch noch im Büro stattfinden, denn nur da nervt man im großen Stil seine Umwelt, pardon, denn "nicht nur deine Wohnung, auch dein Büro sollte im Advent festlich aussehen!"
Das macht natürlich Sinn.
Nachdem man die Kollegen mit dem "Last Christmas"-dudelnden Handy und dem permanenten Erzählen von Weihnachtswitzen ja allmählich zur Notwehr in Form von Ohropax, Kopfhörern oder durchstochenen Trommelfellen getrieben haben dürfte, nehmen wir uns jetzt ihren Sehsinn vor und dekorieren das Büro großflächig mit goldenen Sternen.....
Vielleicht noch einen tanzenden Weihnachtsmann aufstellen, falls der Platz im Büro da ist und die Sternchen zu dezent wirken, es gibt da 1,50m-Exemplare mit Bewegungsmelder, "so arbeitet es sich gleich viel leichter und stimmungsvoller"!
Jaaaa.
Besinnlich, das.

Mir bleibt zum Glück auch diese Aufgabe erspart, denn ich habe gar keine Büro, Signorina. Meine Klienten besuche ich in von ihnen gestellten Räumlichkeiten und sollte es da nach Stimmungs-Overkill aussehen, habe ich immer den Trost, dass ich ja innerhalb weniger Stunden wieder weg bin. Das entspannt enorm.
Und auch in meinem Arbeitszimmer zuhause gibt es keine goldenen Sterne und übrigens auch keine Tür, keine Schreibtischlampe und als Computer lediglich einen Laptop, welcher LEIDER gar keine Dekorationsfläche bietet.
Es ist ein Jammer.
Ich habe aber eine Lichterkette im Fenster und eine meiner Topfpflanzen steht momentan in einem Schlitten, ich betrachte den Grad an Festlichkeit damit also als arbeitszimmeradequat erfüllt.

Immerhin hat das heutige Kunstprojekt (die "einfache Bleistiftzeichnung") einen Stern im Haar spendiert bekommen, das muss dann aber wirklich reichen.
Ach und überhaupt - extra für die Philister unter den Lesern - es ist gar keine Bleistiftzeichnung.
Es ist KULI!
Da staunt ihr, gell?

Dienstag, 2. Dezember 2014

Fuchsis Adventskalender: Tag 2

Mein glorreicher Adventskalender empfiehlt heute "Lerne einen Weihnachtswitz auswendig und erzähle ihn bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit", womit offiziell sein dürfte, was gestern schon zu vermuten war: Bei diesem Werk geht es nicht darum, die Adventszeit spaßiger, angenehmer oder interessanter zu machen, sondern einzig und allein um das Quälen seiner Mitmenschen.
Ich bin sehr gespannt, an welchem Tag man aufgerufen wird, zur allgemeinen Erheiterung die örtliche Kirche in Brand zu stecken, Lichtlein in der Weihnachtszeit werden schließlich immer gern genommen...

Apropos Lichtlein: Ich habe heute endlich die Weihnachtsbeleuchtung in Garten und Haus aufgehängt und kann freudig vermelden, dass ich mir beim Austausch gefühlter 724 defekter Glühlämpchen nur zwei Nägel abgebrochen, einen weiteren aufgespalten und mir mehrere scheußliche Schnittwunden in den Fingern geholt habe. Ich möchte angesichts dessen folgende philosophische Frage in den Raum stellen:
Wie kann es sein, dass eine Lichterkette, die beim Abnehmen im Januar voll funktionsfähig war,im darauffolgenden Dezember nicht mehr funktioniert, obwohl sie die dazwischenliegende Zeit selig schlummernd in einem weichen Karton im Schrank verbracht hat???
Sich ausschließlich auf Weihnachtslichter auswirkende Infraschallbeben? Kosmische Verschwörung? Glühdrahtfressende Aliens? 

In Zukunft also vielleicht doch lieber die gute alte Kerze oder das oben erwähnte besinnliche Leuchtfeuer. Und weil ich ja noch einen Weihnachtswitz schulde und Witze nicht besonders mag, gibt es zusätzlich zum (alten) Weihnachtscartoon wenigstens noch ein heiteres Gedichtlein, das ich beim Herrn Geistbraus gefunden habe und das wunderbar zum Thema "Mehr Licht im Advent" passt:

Advent Advent ein Lichtlein brennt
Erst eins dann zwei dann drei dann vier
Dann steht das Christkind vor der Tür
Und wenn die ganze Kirche brennt
Dann bist Du wohl im Orient.

 Weihnachten im Zeichen von IS. Das ist böse genug, dass ich es mir merken werde.

Montag, 1. Dezember 2014

Fuchsis Adventskalender: Tag 1

Der Advent ist ja neben allem anderen auch die Zeit guter Vorsätze - vielleicht, weil man auf der Zielgerade noch Christkind, Weihnachtsmann oder die liebe Verwandschaft gnädig stimmen will, vielleicht auch aus tatsächlich religiösen Gründen oder einfach, weil Weihnachten die meisten Menschen in unserem Kulturkreis ja doch irgendwie sentimental stimmt und das Bedürfnis weckt, Gutes zu tun.
Ich für meinen Teil nehme mir somit (einmal mehr) vor, diesem Blog neues Leben einzuhauchen.
Diesmal mit der guten, alten Tradition von "Fuchsis Adventskalender".
Jeden Tag ein (adventlicher) Post, 24 Tage lang quasi eure tägliche Live-Schaltung in Fuchsis Land des vorweihnachtlichen Wahnsinns - mal sehen, wie tapfer ich mich schlagen kann!

Und wie beginnen wir das Ganze? Mit "Last Christmas" (nein, kein Link, ich bin gnädig) und dies nicht etwa, weil ich schon gewhamt worden wäre (Oh, Wunder, ich blieb bislang verschont!), sondern weil ich
a) die im Bild geäußerte Theorie noch immer vertrete
b) ich mir einen "24 Dinge, die man vor Weihnachten getan haben muss"-Adventskalender gekauft habe und dieser doch für den heutigen Tag allen Ernstes empfiehlt, sich "Last Christmas" als Klingelton einzustellen.
Dies würde angeblich "nicht nur dir selbst, sondern auch allen anderen in deinem Umkreis viel Freude bereiten"...

Ich meine... Ernsthaft, jetzt???
Ist das jetzt Ironie? Sarkasmus? Bosheit? Oder meint der Autor das tatsächlich so wie er es schreibt???
Im Klappentext verspricht der Kalender bescheiden: "Mit diesen Adventskalender und seinen Tipps für jeden Tag macht die Adventszeit Spaß wie nie!" - es steht also zu befürchten, dass der Rat umgesetzt werden soll. Was naheliegend ist, denn dieses Lied wird ja weiß Gott in der Vorweihnachtszeit noch nicht oft genug gespielt. Dringend notwendig, es weiter unter die Menschen zu bringen, denn - zermürbende Gesänge. Siehe oben.
Ich werde also das erste Ding, das man vor Weihnachten getan haben muss, schon mal geflissentlich ignorieren, weiterhin versuchen, Wham! und den es verbreitenden Agenten des Satans zu fliehen und mich ansonsten damit trösten, dass selbst wenn ich es als Klingelton einstellen würde, ich damit nicht zu seiner Verbreitung beitrüge, denn nicht nur vergesse ich in der Regel mein Handy zu Hause, es klingelt auch so gut wie nie.
Soviel also erstmal zu: Gutes tun in der Adventszeit. "Last Christmas"-freie-Zone bei Fuchsi.
Ihr müsst mir nicht danken.

Montag, 10. November 2014

Vergeht die Zeit im Gefängnis wohl auch so schnell?

Unfassbar - da plant man, wieder regelmäßiger zu schreiben und dann rast die Zeit so sehr, dass, kaum schaut man wieder nach seinem Blog, um diesen Vorsatz zu erfüllen, bereits die nächsten Wochen vergangen sind...
Das schockiert mich ein wenig, gleichzeitig bringt es mich zu der Frage, die im Titel steht:
Vergeht die Zeit im Gefängnis eigentlich auch so schnell?
Ich frage mich das aus aktuellem Anlass, denn - unter uns gesprochen, liebe Leser - ich bin kurz davor, einen mehrfachen Mord zu begehen. Klar, ich hätte dann nicht unbedingt vor, mich erwischen zu lassen, aber bei den Fortschritten, die die heutzutage Kriminaltechnik macht, weiß man ja nie.
Also, beginnen wir mit meiner Rechtfertigungsgeschichte ("Es war Notwehr, Euer Ehren!"):

Im Oktober 2013 erhielt ich einen Brief der Stadt München, in welchem man mich darüber in Kenntnis setzte, dass mein Abwasserkanal undicht sei, ich möge dies bitte bis Ende des Jahres beheben.
Nun bekamen gleichlautende Briefe zu der Zeit aber wohl viele Münchner, jedenfalls waren die entsprechenden Firmen ausgebucht. Die Stadt gewährte mir großzügigerweise (.....) einen Aufschub bis Ende März.
Im Januar 2014 erschien eine Firma, die Videountersuchungen von Kanälen vornimmt (ich nehme an, sie werden zumindest teilfinanziert über die GEZ) und bestätigte, dass der Kanal undicht ist.
Heureka.
Zeit zur Reparatur hatten sie aber auch nicht.
Die Stadt verlängerte meine Frist auf Ende Juni.
Im Mai erschien endlich eine andere Firma und erstellte auf Basis des Videos einen Kostenvoranschlag: Die Reparatur würde 1 (in Worten EINEN, merkt euch das, das wird noch wichtig!) Tag dauern und dafür einen exorbitanten Preis kosten, aber sei's drum, man kommt ja aus dieser Sache nicht raus. Ich erteilte der Firma also den Auftrag.
Dann hörte ich nichts mehr.
Naja, außer von der Stadtentwässerung, die die Arbeiten anmahnten und mit Bußgeld drohten. Auf meine Erläuterung der Vorgänge, wurde die Frist auf Ende September erweitert.
Nach längerem Hin und Her, Anrufen und Emails meinerseits, erschien endlich am 4. September (!) die Kanalfirma zur Reparatur. Sie sperrten mir 9 Stunden lang das Wasser ab, fluteten dafür meinen Keller und machten irrwitzigen Dreck. Aber ich tröstete mich damit, dass der Fall ja nun erledigt war.
Als sie sich verabschiedeten, zerschlugen sie diese Hoffnung und teilten mir mit, meine Hausleitung sei ebenfalls undicht, sie würden "bald" wiederkommen, um das zu reparieren und erst dann könne man die Arbeiten von der Stadtentwässerung abnehmen lassen (was diese nun wieder verlangte.).
Was geschah dann?
Ihr ahnt es: Nichts mehr.
Ich hörte nichts, außer von der Stadtentwässerung... blablabla... Bußgeld... blablabla... Erklärungen... blabla... Fristverlängerung bis 31. Dezember. *winsel*

Ich verlegte mich auf Telefonterror bei der Kanalfirma, sie hoben nicht ab. Ich schrieb Emails, sie antworteten nicht. Just, als ich begann, die Inserate der örtlichen Auftragskiller mit wachsendem Interesse zu studieren, rief die Firma wieder an:
"Sie haben sich bestimmt schon gewundert, warum Sie nichts mehr von uns gehört haben."
So etwas verdient keine Antwort, wirklich nicht, außerdem wäre sie unflätig geworden, ich grummelte also nur vage etwas und schwieg ansonsten.
Die Kanalfirma schien sich aber keiner Schuld bewusst, man teilte mir nur freudig mit, dass man am 27. Oktober wiederkommen würde, um die Arbeiten "abzuschließen".
Ich schöpfte unvernünftigerweise Hoffnung.

Am 27. Oktober wurde mir dann wiederum das Wasser abgesperrt, aber diesmal nur für 6 Stunden, der Keller wurde trotzdem geflutet und der Dreck kam mir auch vertraut vor, aber immerhin würde der Fall ja nun erledigt sein.
Diese Hoffnung zerschlug sich... siehe oben.
Beim Abschied teilte man mir mit, dass sie nochmal wiederkommen müssten, denn ein Teil des Rohres müsste ja noch gesondert abgedichtet werden und heute hätte man ja nur die Hausleitungen saniert, blablabla.
Ab diesem Zeitpunkt wurde es schwierig für mich, nicht auf die Stimmen zu hören, die nach Axt, Kettensäge und Maschinenpistole verlangten.
Ich wies zart schaumgebremst darauf hin, dass man mir zugesagt hätte, die Sache sei in EINEM Termin erledigt, aber die fröhlichen Kanalarbeiter behaupteten, das hätten sie SO nie gesagt und die schriftliche Angabe sei natürlich nur eine Prognose gewesen. Außerdem würden sie sich bald wieder bei mir melden und überhaupt blabla.
Ich führte nicht mehr ganz so entspannt aus, dass ich ab Mitte November keine Zeit mehr hätte, ganztägig für sie bereit zu stehen, dies wurde kommentiert mit "Das ist ja schade für Sie, dass Sie so wenig Zeit haben. Wir tun, was wir können."
Diesen Satz hörte ich unweigerlich in der Stimmlage Michael Mittermeiers, sonst hörte ich nicht mehr viel, das Rauschen in meinen Ohren war zu laut.

Danach hörte ich wieder nichts mehr.
Meine Anrufe wurden nicht entgegen genommen, meine Emails ignoriert. Irgendwann wurde dem Chef der Firma aber wohl doch das dauernde Telefonklingeln zu viel und ich erhielt eine kurze Mail, dass man am 7. November wiederkommen würde, um die Arbeiten abzuschließen und zu diesem Termin auch die Abnahme durch die Stadtentwässerung anstünde.

Am 7. wurde - der Tradition folgend - das Wasser abgesperrt (diesmal für 5 Stunden), der Keller geflutet (diesmal großflächiger) und Dreck produziert (ich schwöre, manche der Matschklumpen waren faustgroß!!!). Aber ich war frohen Mutes, denn heute nun würde ja endlich die Angelegenheit zu einem Ende geführt werden.
Auftritt des Kanalmeisters der Stadt München. Er begutachtete, er prüfte, er schüttelte nachdenklich den Kopf und verkündete dann, dass er die Arbeiten so leider nicht abhnehmen könne, da der Kanal immer noch nicht dicht sei.
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Ich schrie nicht, was mich im Nachhinein wundert. Ich suchte nur im Geiste meinen erweiterten Bekanntenkreis nach Menschen ab, die Kontakt zur Russen-, Kroaten- oder albanischen Mafia haben könnten, meinetwegen auch zur Yakuza, den Triaden oder der Cosa Nostra, piepegal, aber irgendetwas musste jetzt passieren und ich wollte ENDLICH einmal professionelle Arbeit sehen.
Die fröhlichen Kanalarbeiter packten derweil zusammen und versprachen, mich heute noch zu informieren, wann sie wiederkämen. Ich konnte nicht antworten, denn ich fragte mich, was man für einen dreifach Auftragsmord heutzutage wohl bezahlen müsse und was ich mir von dem Geld, das ich mir dann, im Vergleich zur Rechnung für die Kanalsanierung noch übrigbleiben würde, gönnen könnte. Eine Kreuzfahrt erschien mir ansprechend. Meine Nerven sehnten sich nach Entspannung.

Derweil informierte mich die Firma an diesem Tag nicht. Auch am nächsten hörte ich nichts. Aber am Sonntag Abend erhielt ich eine Email, dass sie Montag Morgen (10.11.) um 8.30 Uhr wiederkommen würden.
Dieser Montag ist heute.
Sie kamen um 8.15 Uhr. Zu früh. Weil meine Laune noch nicht schlecht genug ist.
Seitdem sind sie in meinem Keller zugange und heute heiterer denn je. Sie haben eine Tür ausgehängt, sie haben SCHON WIEDER alles geflutet, sie machen Dreck (ich weiß nicht, woher sie ihn nehmen, wahrscheinlich bringen sie ihn mit!), mittlerweile ist es 14.11 Uhr und soeben haben sie mir mitgeteilt, dass sie heute nicht fertig werden, sie müssen noch einmal wiederkommen...
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Liebe Leser, wenn es in Zukunft wieder still wird, hier im Blog, dann vielleicht, weil ich mich entleibt habe. Oder weil die Kripo München zuordnen konnte, wer die drei schrecklich entstellten Leichen so schrecklich entstellt hat. Ich weiß es noch nicht.
Denkt einfach an mich, während ich leise weine und hoffen wir darauf, dass ich im Gefängnis viel Muße zum Bloggen habe...

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Stille


Hier war es lang genug still, zumal ich es nicht mal besonders mag, wenn es still ist.
Das ist eine Berufskrankheit - Stille bedeutet
Verschweigen.
Verdrängen.
Verschlossene Türen.
Katatonie am besten gleich.

Nichts davon ist sonderlich wünschenswert, psychologisch gesehen.
Wenn Psychologen still werden, ist es also ein sehr schlechtes Zeichen, sie sind wütend oder traurig, manchmal beides, in jedem Fall aber extrem müde, zu müde zum Reden, zu müde für Interaktion.
So wie ich.
Ich bin furchtbar müde und das schon zu lange.
So müde, dass mir irgendwann die Worte ausgingen.
Ich könnte nun versuchen, das zu erklären, zu erläutern, zu verbalisieren, aber ich taste mich langsam zurück auf das Spielfeld der Worte, ein Satz nach dem anderen quasi, wer sprechen lernt, rezitiert auch nicht Catull am ersten Tag.
Also starten wir mit einfachen Sätzen.
Und mit Musik.
Das Lied oben bringt mich zum Weinen, nicht weil ich den Sänger oder die Art der Musik sonderlich schätzen würde, das tue ich gar nicht, sondern weil es mich an manches erinnert, das mir die Worte nahm und das Narbengewebe darüber ist dünn.
Aber der Tag heute war so grau, dass man Worte braucht, um die Schatten zu vertreiben.
Fangen wir's an.