Donnerstag, 22. Januar 2015

Papst Franziksus kurz vorm Bunny-Gate



Unser aller Lieblingspapst schlägt wieder zu - auf dem Rückweg seiner Asienreise informierte Papst Franziskus nun also die staundende Menschheit, dass sich Katholiken nicht wie die Karnickel vermehren müssen.
Na, da sind wir doch alle dankbar für diese wichtige Information.

Was mich nun daran stört?
Das selbe wie immer - Doppelmoral, inhärente logische Widersprüche und das Präsentieren von Althergebrachtem als aufregende Neuigkeit.

Nicht nur erzählt er mit der Geschichte von der "verantworteten Elternschaft" einmal mehr nichts Neues (entgegen gängiger Vorurteile sind natürliche Verhütungsmethoden schließlich auch dem Katholiken erlaubt), nein, er konterkarriert auch en passant einen der zentralen Punkte der katholischen Eheschließung - "Sind Sie beide bereit, die Kinder anzunehmen, die Gott Ihnen schenken will?".
Das beantwortet das Ehepaar in spe also künftig am besten mit Aussagen wie "Ja, aber..." , "Unter Umständen", etwas präziser mit "Ja, aber nicht mehr als drei." oder einer ähnlich griffigen Formulierung.
Ich bin guter Hoffnung, dass die nächste Synode, die sich ja Gerüchten zufolge zentral mit dem Thema Sexualität befassen soll, dafür nähere Anhaltspunkte oder am besten gleich neue Antwortvorlagen liefert.

Man kann - insbesondere wenn man kein Katholik ist - zur katholischen Sexualmoral und Ehelehre stehen wie man will. Bei einem Papst, der ja tendenziell doch eher katholisch sein sollte, fände ich allerdings eine klare Linie und eine stringentere Logik deutlich erfreulicher und auch weniger verwirrend für die Zuhörerschaft gleich welcher Konfession.
Außerdem gut gefallen würde mir eine weniger despektierliche Rede gegenüber den eigenen Schäfchen, aber hey - wen verärgert man besser als seine eigenen Leute...

Das einzig Amüsante an der ganzen Geschichte finde ich die verärgerten Reaktionen der deutschen Kaninchenzüchter. Es ist schön, dass auch der für den Vergleich missbrauchten Kreatur eine Stimme geliehen wird - auf entsprechende Stellungnahmen von Seiten PETAs darf man noch gespannt sein.

Ich werde derweil das Gefühl nicht los, dass irgendwo in der ganzen Sache ein Witz lauert, der beginnt mit den Worten "Der Papst, eine Schwangere und ein Kaninchen gehen in eine Bar...".
Wenn ich ihn gefunden habe, gebe ich Bescheid.

Kommentare:

Ester hat gesagt…

Um das einfach mal klarzustellen, die Kirche verdonnert die Ehepaare nicht zu dem lutherischen "in der Woche zwie...." sondern erwartet von den Ehepaaren, das sie ihre Sexualität verantwortungsvoll leben und lobt die Keuschheit auch in der Ehe.
Weil das der Natur der Sache etwas widerspricht, weil sonst könnte man ja ins Kloster gehen und eine nette, rein intellektuelle Freundschaft unterhalten...weil also die Kirche längst nicht so leibfeindlich ist, wie behauptet, erwartet sie aber, dass die Produkte der nicht leibfeindlichen abendlichen Betätigungen auch angenommen werden.
NFP ist nicht einfach so erlaubt, sondern nur aus "schwerwiegenden Gründen". Es geht also nicht, NFP anzuwenden als schonende chemiefreie, natürliche Verhütungsmethode, so wie es in feministisch und grün angehauchten Kreisen getan wird.

Meiner Erfahrung nach, geht das eh nicht, weil die Methode eben natürlich ist, sprich weiten Raum für "spontane Entschlüsse " lässt und man dann doch als katholisches Karnickel dasteht, bzw als nicht Katholik dann zu ganze unnatürlichen Methoden greift, aber lassen wir das.

Weiter solle sich der Papst überlegen, was er da so sagt, Wenn jeder Mensch von Gott gewollte und geliebt ist, dann sollte man doch mehr auf Gott hören, als auf die Anzeige des Thermometers, oder?

Fuchsi hat gesagt…

Ester, ich denke, wir sind weitgehend einer Meinung, ich hoffe, ich bin nicht entsprechend der von dir zitierten Kreise rüber gekommen.

Einzig, dass ich die Moraltheologin in mir nicht verleugnen kann, die in den "schwerwiegenden Gründen" einen gewissen Definitionsspielraum sieht, aber manchmal ist die Grenze zwischen Moraltheologie und Sophismus einfach dünn. ;)

Ja, der Papst sollte sich dringend überlegen, was er sagt, bzw. wie er damit ankommt, da beißt die Maus keinen faden ab, leider habe ich allzu oft das Gefühl, dass er eben jenes nicht tut und das stimmt mich reichlich traurig.

Ester hat gesagt…

Ja klar gibt es immer einen subjektiven Spielraum, auch und weil der liebe Gott kein Buchhaltergott ist, aber in der Trauer sidn wir uns sicher einige.

Anonym hat gesagt…

Ich habe den Eindruck, dass der Papst Westeuropa weitgehend abgehakt hat und sich in erster Linie an Christ(inn)en in Asien, Lateinamerika und Afrika wendet, wo tatsächlich oft auf "gut katholisch" gar nicht verhütet wird, aber auch keine ordentliche medizinische Versorgung der Frau ermöglicht, um 15 Schwangerschaften gut zu "stemmen", und auch nicht die sozialen Voraussetzungen existieren, um die Kinder als "Opfer" überbordender elterlicher Fruchtbarkeit dann adäquat zu versorgt. In solchen Verhältnissen haben 3 Kinder wohl tatsächlich bessere Lebenschancen als 15, und darauf hinzuweisen ist ja wohl mehr lebensfreundlich als lebensfeindlich.

Ester hat gesagt…

@ anonym ich habe den Eindruck dass Sie keine Ahnung haben, weil in der 3. Welt nicht deshalb verhütet wird, weil der Papst das so sagt, sondern weil Kinder die Alterssicherung überhaupt darstellen.
Und das haben nichtChristen in diesen Ländern stärker verinnerlicht als Christen.
Davon mal ganz abgesehen geht es darum glaube ich als Christ, dass jeder Mensch Gedanke Gottes ist, oder glaube ich das nicht?
Glaube ich das die Eltern Mitarbeiter am Schöpfungswerk Gottes sind, oder glaube ich das nicht?
Meiner Ansicht nach, hat die westliche Welt und auch Teile der katholischen Welt ein Angst vor der weiblichen Fruchtbarkeit, die der bronzezeitlicher Krieger gleicht.
Oder noch blöder ausgedrückt schwanger werden und schwanger bleiben ist beileibe nicht so leicht, wie die Pharmaindustrie das suggeriert.
Einfach mal selber ausprobieren!

Fuchsi hat gesagt…

Anonym, falls der Papst Westeuropa "abgehakt" haben sollte, wäre das nicht nur reichlich schade, es würde auch vollkommen am Geist seines Amtes vorbeigehen. Wir wollen das also mal nicht hoffen, auch wenn er teilweise um diesen Eindruck bemüht scheint.

Ich habe ein paar Probleme mit der Unterstellung, es sei "gut katholisch" nicht zu verhüten. Wie schon gesagt, geht es bei dem Ganzen ja eigentlich auch gar nicht um Verhütungsmöglichkeiten oder wie ich sie praktiziere, sondern primär um Verantwortung. Diese kann sich sowohl in der Bereitschaft zeigen, die Kinder, die gezeugt werden, auch anzunehmen, als auch in Enthaltsamkeit, die verhütet erschreckend effektiv und ist dem Katholiken gerne erlaubt. Er muss nicht fröhlich ohne Verhütungsmittel Sex haben.

Auch muss man, wie Ester schon ganz richtig sagte, festhalten, dass in Asien, Lateinamerika und Afrika beileibe nicht nur Christen deutlich mehr Kinder in die Welt setzen als in (West-)Europa, das muss also offensichtlich andere Gründe haben als die hierzu viel gescholtene katholische Lehre. Und ob jemand (sei er auch Christ) diese anderen Gründe plötzlich ignoriert, nur weil der Papst von Karnickeln spricht, das wage ich sehr zu bezweifeln und sehe deshalb einfach das lebensfreundliche Potential dieser Aussage nicht, es tut mir von Herzen leid.

Alles andere hat Ester schon sehr treffend gesagt, vielen Dank dafür. :)