Freitag, 6. März 2009

Ganz Lausiger Service


Zum Ende dieser nicht unanstrengenden Woche verbrat ich doch eine kleine Geschichte, die mir schon vergangene Woche passiert ist, ich aber bisher nicht die Zeit fand, mit meinen Lesern zu teilen. Tu ich's halt jetzt. Und wünsche ein Grinsen zum Wochenende... ;)

Es gibt einen Paketdienst, dessen Namen aus drei Buchstaben besteht - fairerweise muss man sagen, da gibt es mehrere, ich meine aber einen ganz bestimmten - aufmerksame Leser können ihn aus dem Titel dieses Beitrags erschließen. Weniger Aufmerksame können es jetzt auch. Betrachtet euch den Titel genau. Noch genauer.
Na?
Na also. ;)

Also dieser Paketdienst.
Dieser Paketdienst und ich haben eine Vorgeschichte. Eine traurige Vorgeschichte. Sie beginnt damit, dass ich ein gerahmtes Bild gekauft habe. Es wurde mir von diesem Paketdienst geliefert. Leider war das Glas in Scherben. Der Paketdienst nahm's locker ("Sowas passiert!") und mir war meine Zeit zu schade, um deswegen zu streiten. Es ging ja nicht um größere Summen.
Soweit so gut.
Dann kaufte ich ein antikes Grammophon. Ein Geburtstagsgeschenk sollte es werden. Es kostete mich eine Menge Zeit, das passende zu finden und der Preis war auch nicht aus der Rubrik "günstig".
Ich bezahlte und erwartete die Lieferung. Dann kam ich eines Tages von der Arbeit nach Hause und im Garten hinter dem Gartentor lag ein großes Paket. Es war über und über beklebt mit roten Aufklebern. "Vorsicht zerbrechlich!", "Nicht stürzen!", "Handle with care!".
Das hatte den Boten nicht davon abgehalten, es über den Zaun zu WERFEN!
Großartig. Lustig. Super!
Ich war nicht überrascht, dass es meine Freunde vom ungenannten Paketdienst waren.
In dem Paket war (wie könnte es anders sein) das Grammophon. Es war erstaunlich zäh und hatte die zartfühlende Behandlung ohne größere Schäden überstanden. Ich informierte trotzdem den Verkäufer. Er war ebenso begeistert wie ich. Wie sein Streit mit dem Paketdienst ausging, habe ich nicht verfolgt.
Ich für meinen Teil strich jedenfalls diesen Großen Logistischen Schwachmatenverein von der Liste möglicher Versender und plante, nie wieder mit ihnen zu interagieren.
Soweit zur Theorie.

Nun habe ich ja in diesem Blog bereits erwähnt, dass mein Freund derzeit in Scheidung lebt. Im Zuge dieses an sich erfreulichen Fakts sollte nun sein alter Rechner in den Besitz von Noch-Ehefrau und Kindern überantwortet werden. Am besten gestern. Zaubern kann halt leider keiner von uns und den Rechner Mitte März persönlich zu übergeben, war auch nicht gewünscht, also einigte man sich darauf, dass die Noch-Ehefrau uns einen Paketdienst schickt, um das Ding abzuholen. Montags, keinesfalls vor 17.30 Uhr war die Vereinbarung, denn sinnvollerweise sollte ja jemand da sein, wenn das Paket abgeholt wird...
Nächste Theorie abgeschlossen.

Nun zur Praxis.
Montag, 14.44 Uhr. Ich bin (wesentlich früher als erwartet) von meinen Terminen zurück und setze mich soeben an den Rechner, um mit der dort auf mich wartenden Arbeit weiterzumachen, als es an der Tür klingelt.
Erwarte ich jemand? Nicht wirklich. Ich gehe trotzdem zum Gartentor. Dort steht ein mir völlig unbekannter Mann und schaut mich leer an.

Unbekannter Mann: "Sie hatten angerufen."
Fuchsi (konsterniert): "Nicht dass ich wüsste. Und wer sind Sie überhaupt???"
Unbekannter Hirnloser deutet schweigend auf einen hinter ihm stehenden Lieferwagen. Mir schwinden die Sinne, es ist mein Lieblingspaketdienst.
Er wiederholt stereotyp: "Sie hatten angerufen."
Fuchsi: "Wie käm ich dazu? Zu wem wollen Sie denn?"
Unbekannter Analphabet zückt einen Zettel und entziffert mühevoll: "Mur-ge-l"
Mir schwant Böses, aber noch kann man ja hoffen.
Fuchsi (langsam): "Und. Was. Wollen. Sie?"
Schwachsinniger: "Ich soll hier was abholen."
Jaaa... Hätte er all diese Informationen zu Anfang des Gesprächs gebracht, hätten wir uns viel Gerede erspart. Aber nein...
Fuchsi (guckt auf ihre Uhr): "Mir hat man gesagt, dass Sie nicht vor 17.30 Uhr kommen?"
Komplettschwachsinniger starrt schweigend an mir vorbei ins Leere.
Fuchsi (genervt): "Okay, Sie sind 3 Stunden zu früh. Der Herr Murgel ist nicht da und ich hab mit dem Ganzen eigentlich nicht wirklich was zu tun, aber kommen Sie rein, ich schaue, was ich tun kann."
Potentieller Patient: "Heißt das, das Paket ist nicht fertig?"
Jetzt ist es an mir, kurz ins Leere zu starren und den Blutdurst niederzuringen...
Fuchsi (langsam): "Keine Ahnung. Denn SIE. SIND. DREI. STUNDEN. ZU. FRÜH. und es ist NICHT. MEIN. PAKET!"
Definitiv Therapiebedürftiger folgt mir zur Haustür.
Fuchsi: "Das Paket steht im Keller, wenn Sie mir folgen würden?"
Potentielles Mordopfer (starrt wieder auf seinen Zettel): "Ich soll das Paket nur an der Haustür abholen. Raustragen müssen Sie's selbst."
Vor meinen Augen beginnen, rote Schlieren zu tanzen. Tief durchatmen. Wozu gebe ich Entspannungstraining, wenn ich mich selbst nicht beruhigen könnte!? Ich erwäge kurz, dem Selbstmordwilligen zu sagen, dass er sich von dannen schleichen und in drei Stunden wiederkommen kann, aber dann heißt's wieder, ich wäre nicht kooperativ, also zur Hölle damit.
Gehe ich halt in den Keller, hole den Karton, von dem ich annehme, dass Süßer den Rechner drin verpackt hat und schleppe das Drecksding wieder nach oben. Ich hab ja sonst nichts zu tun.
Ich stelle den Karton vor dem immer noch geistlos ins Leer starrenden Paketboten ab.
Fuchsi (außer Atem): "Jetzt müssen Sie einen Moment warten, ich rufe den Verantwortlichen an, ob das Paket überhaupt komplett ist."
Wie könnte es anders sein, Süßer geht nicht ans Telefon. Verständlich, auch er hat anderes zu tun.
Nein, nein, ich reg mich nicht auf. Ich gehe zurück zu meinem Freund vom Großen Logistischen Schwarzenloch.
Fuchsi (genervt): "Ich erreiche leider niemand. Sie können jetzt entweder in 3 Stunden wiederkommen, wie vereinbart oder Sie nehmen das Paket einfach so mit. Ich übernehme aber keine Verantwortung, ob das alles komplett ist."
Paketdiensthiwi starrt mich mit dem Maximum an Geistlosigkeit, das ich je in menschlichen Augen sah, an.
Und schweigt.
Eine Minute vergeht.
Fuchsi (schwerstgenervt): "Brauchen Sie noch was?!"
Todessehnsüchtiger: "Tragen Sie das Paket jetzt raus oder soll ich das machen?"
Fuchsi (mordlüstern): "Mal nachdenken. Bin ich der Mann vom Paketdienst oder Sie???"
Baldiges Mordopfer starrt mich verständnislos an.
Fuchsi (hilfsbereit): "Ich sag mal so: Entweder das Paket kriegt jetzt Füße und läuft selber raus ODER Sie müssen es tragen. ICH mach's jedenfalls nicht!"
Todgeweihter starrt noch ein bisschen. Dann endlich ergreift er das Paket und stapft wortlos von dannen.
Ich verbringe zwei Minuten damit, ihm hinterherzustarren. Mit einem Grad an Fassungslosigkeit, der mir bis dahin völlig fremd war...

Wie, so frage ich mich nun schon zum dritten Mal in meinem Leben, wie nur überlebt dieses Unternehmen?
Und viel wichtiger: Warum???

Kommentare:

Indy hat gesagt…

Autsch...mein Bauch!
Den Spruch mit den Beinen und dem Paket find ich genial!!!

Marco hat gesagt…

Die Zeichnung ist super! Erinnert mich an eine gewisse Person aus den Riddick Filmen (bzw. einem davon). *g*

Ansonsten kann ich nur sagen: Paketdienste und auch die Post an sich gehören *böse Tötungsart*

*seufz*

DMJ hat gesagt…

Höhö - aus dem Bereich Paketdienst hört man ja oft schräge Geschichten, aber das dürfte tatsächlich der Höhepunkt sein!

Mannomann...aber gegen Grammophonwerfer müsste echt mal eine staatliche Säuberungsaktion ins Leben gerufen werden.

Fuchsi hat gesagt…

Danke, indy. :)

Marco, auch vielen Dank. Und jaaaa, eine gewisse Ähnlichkeit besteht, aber die Dame war haaretechnisch viel wuschliger. *g*

dmj, eine sehr gute Idee. Solltest du ein entsprechendes Volksbegehren starten, ich bin dabei. ;D

lila hat gesagt…

...er überlebt, damit du tolle Geschichten in deinem Blog erzählen kannst. :D

druide hat gesagt…

sehr schön geschrieben!!! ich kann mir die pfeife sogar bildlich vorstellen!!! gröl! gruss druide

andrea-s hat gesagt…

Einfach köstlich!!! Das ist ja reif für "Ladies night" im WDR... *hahaha*